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Die ersten Fake News: Was Kaiser Konstantin angeblich schenkte und Bismarck redigierte!


Fake News und deren tatsächliche und vermutete Auswirkungen sind in unserem gesellschaftspolitischen Diskurs seit einigen Jahren nicht mehr wegzudenken. Fake News sind aber tatsächlich so alt wie die Menschheit selbst. Eine Definition des Begriffs fällt dabei bis heute schwierig. Der Begriff ist vielschichtig. Es geht (fast) immer um Politik. Um kommerzielle Interessen. Um Täuschung und Manipulation. Gleich vorweg: In diesem Blogartikel soll NICHT die politische Rolle von Fake News diskutiert werden. Auch geht es nicht darum, ob und wenn ja welche Nachrichten der jüngeren Vergangenheit Fake News sind oder nicht. Stattdessen soll anhand zweier historischer und berühmter Beispiele aufgezeigt werden, dass es Fake News schon länger gibt als gemeinhin angenommen. 

Die Konstantinische Schenkung: Katholische Fake News

Als Konstantinische Schenkung wird eine Urkunde bezeichnet, die angeblich vom römischen Kaiser Konstantin I in den Jahren 315/317 ausgestellt wurde. Tatsächlich ist die Urkunde jedoch Fälschung aus dem Jahr 800. Die Urkunde legt fest, dass der Papst, genauso wie alle seine Nachfolger, die politisch wirksame Herrschaft über Rom, Italien und die gesamte Westhälfte des römischen Reichs geschenkt bekommen. 

Das Dokument besteht aus zwei Teilen: einem Glaubensbekenntnis und einer Schenkung. Im Glaubensbekenntnis ist dokumentiert, dass Kaiser Konstantin, nachdem er krank wurde, zum christlichen Glauben konvertierte und sich taufen ließ. Als diese Taufe ihn heilte bedankte er sich mit der Schenkung, die im zweiten Teil des Dokuments festgehalten ist.

Die Konstantinische Schenkung wurde über viele Jahrhunderte von Päpsten benutzt, um territoriale Ansprüche durchzusetzen. Tatsächlich wurde Konstantin jedoch erst auf dem Sterbebett getauft. Auch der Nachweis um 1440, dass es sich bei der Urkunde um eine Fälschung handelt, änderte daran nichts.

Die Emser Depesche: Kriegstreiberei

1870 veröffentlichte Reichskanzler Bismarck eine gekürzte Version der Emser Depesche, um Frankreich in einen Krieg zu treiben. Bismarcks politisches Ziel war es, einen einheitlichen deutschen Nationalstaat zu formen, um die Vorherrschaft des Deutschen Reiches in Europa zu sichern. Bismarck suchte daher einen Anlass, um diese Einigung zu erzielen.

Bismarck

Die Chance dazu sah er 1870, als es zu politischen Auseinandersetzungen mit Frankreich kam. Im Mittelpunkt stand die Frage der Neubesetzung des spanischen Königsthrons. Bismarck schlug den Hohenzollern Prinz Leopold als Kandidaten vor. Napoleon III. fürchtete dadurch jedoch ein Erstarken der deutschen Machtposition. Er forderte deswegen den Preußischen Kaiser Wilhelm I. durch seinen Botschafter in Preußen, Graf Vincent Benedetti, bei einem Treffen im Kurort Bad Ems dazu auf, auf die Besetzung des spanischen Königs für alle Zeiten zu verzichten. Dem wollte Wilhelm I. jedoch nicht zustimmen. 

Wilhelm I. schickte nach den Gesprächen eine Depesche nach Berlin und informierte Bismarck. Bismarck kürzte dieses rein informative Telegramm und formulierte es so um, dass es eine Provokation für Frankreich darstellte. Bismarcks Anpassungen suggerierten, der französische Botschafter Benedetti sei in ungebührender Weise aufgetreten. Außerdem wurden die Forderungen Frankreichs als Ultimatum dargestellt. Bismarck gab dann der regierungsnahen „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ die von ihm überarbeitete Version der Depesche zur Veröffentlichung frei. Diese wurde unmittelbar in einer Sonderausgabe verteilt und erschien einen Tag später am Französischen Nationalfeiertag als französische Übersetzung.

Aufgrund der patriotischen, extrem überhitzten und nationalistischen Stimmung dieser Zeit war die Antwort Frankreichs die Kriegserklärung an Preußen. Alle anderen deutschen Bündnisstaaten von Preußen, auch Bayern und Württemberg, verstanden dies als Kriegserklärung an ganz Deutschland und kämpften gemeinsam. Den Krieg verlor Frankreich. 

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Die Emser Depesche im ORIGINAL:

„Seine Majestät der König schreibt mir: Graf Benedetti fing mich auf der Promenade ab, um auf zuletzt sehr zudringliche Art von mir zu verlangen, ich sollte ihn autorisiren, sofort zu telegraphiren, dass ich für alle Zukunft mich verpflichtete, niemals wieder meine Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf ihre Candidatur zurückkämen. Ich wies ihn zuletzt, etwas ernst, zurück, da man à tout jamais dergleichen Engagements nicht nehmen dürfe noch könne. Natürlich sagte ich ihm, dass ich noch nichts erhalten hätte und da er über Paris und Madrid früher benachrichtigt sei als ich, er wohl einsähe, dass mein Gouvernement wiederum außer Spiel sei. Seine Majestät hat seitdem ein Schreiben des Fürsten bekommen. Da Seine Majestät dem Grafen Benedetti gesagt, dass er Nachricht vom Fürsten erwarte, hat Allerhöchstderselbe, mit Rücksicht auf die obige Zumuthung, auf des Grafen Eulenburg und meinen Vortrag, beschlossen, den Grafen Benedetti nicht mehr zu empfangen, sondern ihm nur durch einen Adjutanten sagen zu lassen: dass Seine Majestät jetzt vom Fürsten die Bestätigung der Nachricht erhalten, die Benedetti aus Paris schon gehabt, und dem Botschafter nichts weiter zu sagen habe. Seine Majestät stellt Eurer Excellenz anheim, ob nicht die neue Forderung Benedettis und ihre Zurückweisung sogleich, sowohl unsern Gesandten, als in der Presse mitgeteilt werden sollte."

Die Emser Depesche in der von Bismarck REDIGIERTEN FORM:

„Nachdem die Nachrichten von der Entsagung des Erbprinzen von Hohenzollern der Kaiserlich Französischen Regierung von der Königlich Spanischen amtlich mitgeteilt worden sind, hat der Französische Botschafter in Ems an S. Maj. den König noch die Forderung gestellt, ihn zu autorisieren, dass er nach Paris telegraphiere, dass S. Maj. der König sich für alle Zukunft verpflichte, niemals wieder seine Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf ihre Kandidatur wieder zurückkommen sollten. Seine Maj. der König hat es darauf abgelehnt, den Franz. Botschafter nochmals zu empfangen, und demselben durch den Adjutanten vom Dienst sagen lassen, dass S. Majestät dem Botschafter nichts weiter mitzuteilen habe.“

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Fazit

Fake News und deren tatsächliche und mögliche Auswirkungen sind in unserem gesellschaftspolitischen Diskurs seit einigen Jahren nicht mehr wegzudenken. Fake News sind so alt wie die Menschheit selbst – was in diesem Blogartikel anhand zweier historischer und berühmter Beispiele aufgezeigt wurde.


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